„tracing space“ am 25.April 2009 Galerie B2 / Leipzig

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Fotos: Andreas Wohmann

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Grafik: Anna Lena von Helldorf

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„Record Dances – Tracing Spaces“ (18. 04. 2009) von Kay Hemmerling

In tastender Suche fanden wir,  etwa 50 Zuschauer, nach dem Einlass in den Hauptraum des Bauhauses unseren Platz. Unter den Stühlen tauchten Menschen hervor; sphärische Klänge; Percussions auf Stühlen, Heizrippen, Vorhängen; etwas ferner schemenhafte Scherenschnitte in der Kantine. Die äußerst lebendigen Tänzer vermaßen mit ihren Armen, Beinen, Köpfen und Hinterteilen den toten Raum. Ihre konzentrierten Bewegungen im Formen und Farbenmeer machten mir glauben, sie hielten ein Zwiegespräch mit dem Stofflichen. Gefangen in einer Ordnung, die nicht meine war, und in Geiselhaft genommen von fremden, raumgreifenden Obertönen aus dem Mund einer Schönheit war ich zu Beginn der Veranstaltung vollkommen überfordert.

Die entrückten Vermessungstechniker-Tänzer mit ihren je eigenen Messgeräten waren ganz auf ihre raumerfassende Aufgabe konzentriert. „Nur das, was gemessen werden kann, ist Wirklichkeit“, schienen sie zu kommunizieren. „Das andere ist nur in Deinem Kopf. Für Dich ist das Bauhaus wohl so groß wie zwei Zauberpferde?“.

Stopp! – Was wird hier eigentlich vermessen? – Der Raum – ohne die Menschen in ihm? Ich konnte niemanden fragen. Die messenden Tänzer schwiegen sich über das Ziel ihrer Messung aus. Manchmal erschien mir ihr schnelles, planmäßiges Erfassen ganz manisch, atemlos, dunkel.

Als Testpsychologe, der sich mit dem Vermessen des Sozialen beschäftigt, kamen mir angesichts der nicht transparenten „Inhaltsvalidität“ ungute Assoziationen.

Der Messende muss anerkennen, dass er mit seinem Tun den Gegenstand seiner Messung verändert. Skinners Tauben und die Millionen Laborrattenleichen hatten sicher andere Annahmen über den Messvorgang als ihre verhaltenswissenschaftlichen Vermesser. Manche Kolonien in Übersee entstanden ganz willkürlich auf dem Reißbrett. Die gleichzeitige Vermessung von menschlichen Körpern dort (und anderswo) entfernte die menschliche Errungenschaft des Messens von ihrem menschlichen Zweck. Ein Raum ist statisch. Ein Mensch, sein Urteil, seine Liebe zu anderen, ist es nicht.

Mir erschienen die Messfehler in der Performance am schönsten. Ein „falscher“ Schritt, ein „falsches“ Abmessen des schweren Publikumsquanten, ließen es zu, dass sich Vermessungstechniker und Besucher zufällig berührten. Eine Tänzerin wollte sich offenbar Platz verschaffen und sprang mich an. Wollte sie mich vermessen oder sich für ihre Bewegungen Platz verschaffen. Ich blieb stehen und trat – ganz vermessen – noch einen Schritt auf sie zu. Ein kurzes Zögern – gegenseitiges Abmessen. Plötzlich war ich offener für die Menschlichkeit im Planquadraten. Eine Diva vermisst sich mit ihrem Spiegel selbst – oder leuchtet sie den Raum hinter sich aus, um zu überprüfen, ob ihr nicht doch schon Flügel gewachsen sind? Die Besucher zumindest sehen ihren reglosen Körper für Minuten an und nehmen dabei die Bewegungen aus der „Kantine“ nicht wahr.

Dort im Speisesaal misst der blonde Schöne mit Ellenmaßen die Breite der Tischfläche, später steigt er nicht auf seinen selbst gebauten Stuhlturm. Mit dem hätte er über den Tellerrand schauen können. Er geht stattdessen weg. Derweil umhalst die Diva liebevoll einen Heizkörper. Sie beschließt ein Haus zu bauen – zusammen mit dem Stoiker. Der Mann hat ein sprichwörtliches Brett vor dem Kopf und die Diva – quirlig und ohne Orientierung – in seinem Nacken. Das ist rührend und macht deutlich, dass das Soziale im Raum nicht ignoriert wird, gar nicht ignoriert werden kann. Vielleicht tritt es hier sogar noch stärker zutage.

Ich verstand zunehmend mehr, was um mich herum passierte: Hier baut nicht jeder seinen eigenen Elfenbeinturm. Die Messenden agieren zusammen, erschließen sich selbst und dem Zuschauer den Raum, der mir, so vermenschlicht, auf immer unvergessen bleiben wird. Die Musiker machen dabei die Wände singen und schaffen es mit ihren Klängen die Bewegungshäuser der anderen mit zu bauen. Architektur ist gefrorene Musik hat Schopenhauer gesagt. Und wenn die Wände schon nicht singen können, sollten das die Menschen in ihnen machen.

Für das menschliche Maß gibt es viele Distanzen zu überwinden, und für das Bühnenstudio der Stiftung Bauhaus Dessau viele Räume mit Leben zu füllen. Ich wünsche Ihnen dabei gutes Gelingen.

Kay Hemmerling,   24. 04. 2009

“record dances – maßnahme 02: tracing space” a review by Ryutaro Uchiyama

On the evening of April 18, 2009, I saw a performance titled “record dances – maßnahme 02: tracing space” at the auditorium of the Bauhaus building in Dessau, Germany.

One step towards my seat, and I see that the performance is already active: there is a dancer creeping from chair to chair, gliding through the seated crowd. As I watch the situation with excitement, another dancer appears, repetitively opening and closing the vacant seats with a solemn expression on his face. And not before long, a whole assembly of dancers dressed in black are occupying various locations within the auditorium, each engaging on his or her own motion. There is a dancer who keeps on making contact with the myriad planes within the space using a long wooden stick, as well as a dancer who unfolds her movements as she explores the material properties of the stools that lie at the rear of the auditorium. One dancer persistently climbs up and down the staircase at the front of the stage in an autistic trance, and some others gracefully clang away at the radiators that surround the performance space. The dancers’ actions are diverse, but because they share a common principle, which could be described as ‘repetitive actions that develop in alignment with the spatial properties of the performance site,’ a tight unity is formed, almost like a team of veteran workers getting their job done efficiently and quietly.

The auditorium is also permeated by a complex structure of electronic sounds with a strong repetitive element, and onto this ambient texture, the sounds of the various materials existing within the site of the performance—the timbre of wood, metals, fabrics—are introduced through the dancers’ percussive actions. As for lighting, the space is cleanly illuminated by basic colors such as blue and orange, and this layout is hit by the rays that are emitted from the small spotlights that are attached to some of the dancer’s limbs; the streaks of light oscillate in correlation with the rhythmically structured motions of the dancers.

Ryutaro Uchiyama

ドイツ・デッサウ市にあるバウハウス校舎の講堂で、2009年4月18日の夜、「record dances – maßnahme 02: tracing space」というタイトルのパフォーマンスを観た。会場に一歩踏み入ると既にパフォーマンスは動き出していて、ダンサーの一人が客席エリアで、 観客の間を縫っていくように座面から座面へと渡り歩いている。驚き、眺めていると、今度は別のダンサーがやってきて、空席となっている客席の座面を、真剣な目つきでパタパタと順番に開閉し始める。そして気がつくと、いつの間にか黒服のダンサーが、会場内の様々な場所に展開していて、それぞれ独自の行為を機械的に追求している。長い木の棒を空間の様々な面にぴたりと当てていく者もいれば 、ステージの奥の方に並ぶスツールの物性を基準に身体運動を繰り広げていく者もいる。手前の方の階段で自閉的とも言えるような執拗さで昇降運動を繰り返すダンサーもいるし、会場内のラジエーターを小気味よく叩いている者もいる。それぞれのダンサーの行為はまばらだが、空間の特性に沿った反復運動という共通項によって、静かに仕事をこなす熟練の作業集団のような、緊密な統一感が生まれる。会場を満たす音も、反復性の強い、アンビエントな電子音で、その細かいテクスチャーの上に、木の音、金属の音、布の擦れる音など、会場内に存在するあらゆるマテリアルの響きが、舞う身体と物質との衝突から派生し、電子音のレイヤーに加算されていく。照明は、青やオレンジなどのベーシックな色で空間の様々な要素を無機質に照らし出す。ダンサーの手足にも、出力の高い小型のスポットライトが取り付けてあり、彼らの小刻みな運動のリズムに合わせて、光線のレイアウトが振動していく。ダンサーの配置や行為のバリエーション、そして運動の強度も、時間軸上の緩やかな構成に沿って展開していくが、最初から最後まで、彼らは会場内のあらゆる要素の物理的特性に尺度を見いだしながら、機械的な趣で空間を測量していく。ゴールも、自意識さえもないのだろう。この不条理な儀式の束縛を厳かに受容し、 ただひたすらメカニカルに反復運動を継続していくこの集団の姿は、懸命な健気さとも忘我の気高さともつかない、独特の情緒を帯びる。ここで抽出されているものこそ、かつてバウハウスが打ち立てた合理性の理念の背後に潜んでいた、根源的な美意識なのではないだろうか。(内山隆太郎)

25.April 2009 : record dances – maßnahme 03: tracing space

EINLADUNG

record dances – maßnahme 03: tracing space

eine Tanz- und Klang-Performance

Galerie  B2, Leipzig Spinnereistraße: am 25. April 2009, 19.00 Uhr

Die Tanz-, Klang- und Licht- Performance „record dances“ wird am 25. April  in ihrer dritten Fassung im Leipziger Kunstraum B2 aufgeführt. Die Methode zur performativen Innenraumexploration wurde im Bühnenstudio der Stiftung Bauhaus Dessau entwickelt.

In der Reflexion von Prinzipien der historischen Bauhausbühne setzen die Akteure sich dabei mit dem Verhältnis von Mensch und Architektur auseinander. Tanz und Musik werden als raumbedingte und raumproduzierende Künste reflektiert. Mit ihren Körpern und diversen, auch skurrilen, Geräten nehmen Tänzer Maß und untersuchen, wie Raumgeometrien den eigenen Körper ein- und ausschließen. Musiker entdecken Klangstrukturen, sammeln Töne und Rhythmen von Oberflächen und Infrastrukturen. Sie entwickeln flüchtige Körperraumbilder und Klangräume und suchen nach Methoden zur Schaffung neuer Räume im Raum. Licht, Schatten, und Filmprojektionen verbinden sich mit Bewegungen und Klängen und inszenieren den Raum als einen unbekannten Ort, den es neu zu entdecken und zu definieren gilt.

Ausgehend vom Körper als ein sensibles „Forschungsinstrument“ wird die gewohnte Wahrnehmung erweitert und die scheinbar stabilen Raumverhältnisse beginnen mit den Performern zu tanzen. Sie zeichnen sich individuelle Spielräume und treffen sich in performativen Raummodellen. Das Publikum bewegt sich dabei in einer begehbaren Installation durch den Raum.

„Record dances“ ist als eine sich entwickelnde Serie von Performances zur Raumerforschung angelegt, bei der an neuen Aufführungsorten jeweils neue Inszenierungen entstehen. Die im Bauhaus entwickelten Aufnahme- und Wiedergabemethoden werden dabei auf neue Orte übertragen und angepasst.

 In diesem Jahr sind weitere Aufführungen geplant: 

– 10./11. Juli, Berlin, Bauhaus Archiv

– 19. September, Herford, Marta Museum

 Eine Produktion des Bühnenstudios der Stiftung Bauhaus Dessau 

Konzept und Inszenierung: Torsten Blume, Stiftung Bauhaus Dessau 

Musikalische Leitung: Shintaro Imai, Japan 

Dramaturgie: Anna Volkland, Leipzig 

Performance und Choreographie: Jonathan Buckels, Australien; Silvana Suárez Cedeno,

Venezuela; Michael Schnitzler, Hamburg

Percussion + Komposition: Sebastian Flaig, Jakob Thomser, Leipzig

Technik: Andreas Wohmann, Leipzig

 

Das Bühnenstudio der Stiftung Bauhaus Dessau

Die historische Bauhausbühne war – vor allem unter der Leitung von Oskar Schlemmer – ein außergewöhnliches Projekt der Theatermoderne, ein Ort für Experimente mit Körper und Raum. Das Bühnenstudio der Stiftung Bauhaus Dessau reflektiert zum einen Konzepte der historischen Bauhausbühne und untersucht und erprobt zum anderen – im Sinne eines interdisziplinären „Raumtheaters“ – performative Methoden und Konzepte der Rauminterpretation und Raumproduktion im Kontext des Urbanen. Das Spektrum der Projekte reicht von Performances und Tanz, über Rauminstallationen und Konzerte bis zu Workshops und Kunstfesten. Es ist ein Laboratorium für performative Experimente, in dem Künstler und Tänzer gemeinsam mit Architekten, Designern und Urbanisten ihre Projekte entwickeln. Dabei werden vor allem Fragestellungen und Ideen zur theatralischen Verwandlung von Räumen aufgegriffen.

„record dances – Maßnahme 03: tracing space“

Samstag, 25. April 2009, 19.00 Uhr 

Galerie b2, Spinnereistrasse 7 • Gebäude 20 • 04179 Leipzig

Kontakt: telefon ºº 49 {0} 341 47 84 – 747, mobil ºº 49 {0} 172 6246334

www.galerie-b2.de (Newsletter subscribe / bestellen: news@galerie-b2.de )

oder: service@bauhaus-dessau.de  , Tel. 0340 / 6508 250

http://galerie-b2.de/PDFs/recorddances@b2_.pdf

17. / 18.4. 2009: record dances – maßnahme 02: tracing space

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Fotos:  Sebastian Gündel

EINLADUNG: 

record dances – tracing space

eine Tanz- und Klang-Performance

Bauhaus Dessau: Bühne und Mensa am 17. und 18. April 2009

jeweils 19.00 Uhr

 

Bereits in ihrer zweiten Fassung wird die ungewöhnliche Tanz-, Klang- und Licht-Performance „record dances“ am 17. und 18. April im Bauhaus Dessau aufgeführt. Die Methode zur performativen Innenraumexploration wurde im Bühnenstudio der Stiftung Bauhaus Dessau entwickelt. Sie ist nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Herbst jetzt als „Maßnahme 02: tracing space“ erneut zu erleben.

Gemäß der Tradition des Aufführungsortes setzen die Akteure sich dabei auf unkonventionelle Weise mit dem Verhältnis von Mensch und Architektur auseinander. Tanz und Musik werden als raumbedingte und raumproduzierende Künste reflektiert. Mit ihren Körpern und diversen, auch skurrilen, Geräten nehmen Tänzer Maß und untersuchen, wie Raumgeometrien den eigenen Körper ein- und ausschließen. Musiker entdecken Klangstrukturen, sammeln Töne und Rhythmen von Oberflächen und Infrastrukturen. Sie entwickeln flüchtige Körperraumbilder und Klangräume und suchen nach Methoden zur Schaffung neuer Räume im Raum. Licht, Schatten, Film-, Bild- und Textprojektionen verbinden sich mit Bewegungen und Klängen und inszenieren den Raum als einen unbekannten Ort, den es neu zu entdecken und zu definieren gilt.

Ausgehend vom Körper als ein sensibles „Forschungsinstrument“ wird die gewohnte Wahrnehmung erweitert und die scheinbar stabilen Raumverhältnisse beginnen mit den Performern zu tanzen. Sie zeichnen sich individuelle Spielräume und treffen sich in performativen Raummodellen. Das Publikum bewegt sich dabei in einer begehbaren Installation durch den Raum, durch die Aula und die Mensa des Bauhauses.

„Record dances“ ist als eine sich entwickelnde Serie von Performances zur Raumerforschung angelegt, bei der an neuen Aufführungsorten jeweils neue Inszenierungen entstehen. Die im Bauhaus entwickelten Aufnahme- und Wiedergabemethoden werden dabei auf neue Orte übertragen und angepasst.

In diesem Jahr sind weitere Aufführungen von „record dances – tracing space“ geplant: 

– 25. April, Leipzig, Baumwollspinnerei Galerie B2

– 10./11. Juli, Berlin, Bauhaus Archiv

– 19. September, Herford, Marta Museum

Multi-spatial Performance: at Bauhaus-Dessau / November 2008

Les Joynes :

Multi-spatial Performance: at Bauhaus-Dessau  

(Les Joynes is a New York based visual artist.  He is a research scholar in contemporary fine art . He was visiting the Bauhaus-Kolleg, Bauhaus-Foundation, Dessau in 2008)

Imagine a Mondrian painting coming alive where you as observer become part of the work.

Contemporary dance performers from four countries converged on the historic Bauhaus Theater in Dessau to perform Record Dances Massnahme 01 (Measures Taken 01) on October 17 2008 in a performance organized by the Bauhaus Buehnenstudios at the Bauhaus Foundation. In this 90-minute spectacle the performers engaged in experimental dance energized by spatial exploration tracing the structural elements and the “object tonalities” with hands, bodies, light and objects that mimic, and symbolize the historic structure designed by architect Walter Gropius and Dessau 1925-26. (…)

The performance set within the historic context contemporizes itself by invoking the present through interaction with the members of the audience. Contrary to common habit of the audience being removed from the spectacle and restricted to a silent and invisible observation post (as if watching a film) the performers invited the audience to sit, stand and walk around the stage and viewing spaces. Thus the observer became part of the spectacle and the performers responded to the audience as part of their visual landscape.

Throughout the performance the black-clad dancers and musicians moved about the entire space interacting both with the interior structures: tapping with sticks on windows, cement beams, lighting fixtures, radiator grills, chairs, floors with drum sticks, hands, feet and highlighting the Bauhaus interior landscape with light and sound. Through these rituals dancers performed the role of avatars enacting moments of discovery through an intuitive exploration of the positive and negative spaces periodically lying down on the stage with head and shoulders pinioned between stage fixtures or a radiator and a wall and then and then peer upward from these vantage points/ observation posts to observe the multi-faceted modernist ceilings.

As a spectator sitting in the audience or standing off-stage I also was interpreted by the performers as part of the mis-en-scene.  In passive recognition of the object-spectators the dancers would spatially respond to the bodies around them- drumming out the positive space around an observer. In this way the audience became a participant in a sort of dance-jungle where the dancers would explore spaces above, in front of, behind and in some cases under the audience  sitting in chairs at different parts of the space. At one point a performer in languid movements pinioning the torso of one seated young man, a spectator.

As an observer-object I had the feeling I was viewing an organism – something that was comprised of many bodies who came together for syncopated movements as a solitary unit then branched off into either subunits or individual micro-performances which looked like miniature plays. The performers would repeat actions that, in almost-obsessive-compulsive movements, traced pathways between interior structures thereby creating a plenitude of invisible micro-Bauhaus structures that would appear almost like an after-flash and then receded into a tide of new movements.


die Idee

Torsten Blume / Oktober 2008

Die  Idee /

„record dances“ sind Tanz- , Klang- und Bilderperformances, die als Serie angelegt sind und in denen die Akteure  bestimmte Informationen die sie jeweils in einem Raum auffinden, mit Leib und Technik aufnehmen (record) und übersetzen sowie das Aufgenommene zugleich im Raum wiedergeben (play). 

Die Idee zu dieser Performance-Produktion des Bühnenstudios entstand unmittelbar nach der Aufführung der performance „planet stadtpark – urbane exzentrik“,  am 19. Oktober 2007, die ich in der 7. Internationalen Bauhaus-Bühnenwerkstatt mit dem Regisseur und Schauspieler Rene Reinhard entwickelt hatte.  Damals haben wir versucht, gemeinsam mit Tänzern, Schauspielern und bildenden Künstlern ein performatives Modell des Dessauer Stadtparks – den wir dazu vorab mit Bewegungen und individuellen Maßstäben vermessen haben –  in den Raum der Bauhausbühne zu übertragen. Die Aufführung, die als „öffentliche Aufzeichnung eines Forschungsberichtes“ angekündigt worden war,  hat die Bauhaus-Bühne in eine für Besucher geöffnete „Forschungsstation“transformiert,  in der sich die Zuschauer zwischen dezentral im Raum agierenden Performern weitgehend frei bewegen konnten. Was aufgeführt worden ist, war aber weniger eine Reihe einzelner performativer Beiträge, sondern vor allem der Raum selbst.

Die „record dances“ schließen darin an und bringen  in der „maßnahme 01“ nicht nur die Bühne und die Aula, sondern zugleich die daran anschließende Mensa sowie das Foyer zur Aufführung.  Ihr Thema und Gegenstand ist immer die spezifische Struktur und Amossphäre eines konkreten architektonischen Raumes, der künstlerisch verwandelt wird.  In diesem Sinne sind  die „record dances“  weniger Tanztheater, sondern vielmehr eine Methode der Raumerforschung und Raumgestaltung mit den Mitteln der darstellenden Künste. 

Wenn die „maßnahme 01“ in der historischen „Festebene“  (so nannte der Bauhausdirektor Walter Gropius die Raumfolge Foyer-Aula_Bühne-Mensa in den 1920er Jahren) stattfindet, wird damit natürlich auch auf die Experimente der historischen Bauhausbühne Bezug genommen, die Oskar Schlemmer in Dessau von 1926 bis 1929 geleitet hat. Oskar Schlemmer entwickelte hier mit den Studierenden der Bühnenwerkstatt die Serie der „Bauhaustänze“, die jeweils kaum länger  als 10 Minuten dauerten.  Ausgangspunkt war – dem Kontext des Bauhauses, dass an einer grundlegenden Erneuerung  von Architektur und Gestaltung einer industrialisierten Gesellschaft arbeitete  – die Untersuchung elementarer  Beziehungen von Mensch und Raum; wobei mit Raum meist der geometrische, in zahl und maß definierte Raum gemeint war. Im „Raumtanz“ wurde dieser Raum zum Beispiel durch die Bewegung in verschiedene Richtungen, Schrittarten, oder Tempi entlang einer  auf den Boden gebrachten geometrischen Lineatur erkundet. Im „Vorhangspiel“ ging es um die Teilung des Raumes mit Hilfe von Flächen.  Ähnlich spielerisch war auch das „Kastenspiel“ angelegt, bei dem die Darsteller die Positionen kubischer Objekte im Raum veränderten.  Als Kostüme dienten wattierte Trikots und Masken, die das Aussehen der Tänzer in Richtung Gliederpuppe veränderten. Auch verschiedene Materialien wurden erprobt, so entstanden ein „Metalltanz“, ein „Glastanz“, ein „Reifentanz“ oder ein „Stäbetanz“.  Als Grund für diese Experimente nannte Schlemmer: „ Dadurch dass die Geometrie und Strereometrie  des Bühnenraumes auf diese Weise enthüllt wird, dass der Begriff für die Dimensionen erweckt wird, bekommt der Raum ein bestimmtes Gesicht, das er zuvor nicht hatte. Seine Gesetzmäßigkeit wird fühlbar und der Akteur, der Schauspieler oder Tänzer wird von diesem Raum behext und er bewegt sich darin anders als in dem unbestimmten Fluidum des Raumes.“ (1)

Wie die historischen „Bauhaustänze“ sind  die „record dances“  performative Raumuntersuchungen. Es wird aber nicht wie bei Oskar Schlemmer die idealistische Konstruktion eines geometrischen Volumens untersucht, sondern die Tänzer und Musiker bewegen sich in alltäglich gewordenen konkreten Räumen.  Sie treten auch nicht als kostümierte Verkörperungen abstrakter Kunstfiguren auf, sondern als Individuen, die sich neugierig  auf räumliche Gefüge einlassen und diese auf besondere Weise interpretieren und aneignen.  Die „record dances“ thematisieren den Raum im Kontext zeitgenössischer Raumdiskurse als dynamisches Gefüge von relationalen Platzierungen und Bedeutungen. Sie nutzen das Vermessen von Strecken und das leibliche Erfassen von Raum-Proportionen und  Rhythmen als Methode der Raumerfahrung, die sie zugleich reflektieren und in Frage stellen.

Während der Proben zur „maßnahme 01“ ging es nicht darum,  mit den Tänzerinnen und Tänzern eine vollständig vorgefertigte Choreographie einzustudieren. Im Dialog mit dem Aufführungsraum haben die Tanzenden jeweils ein individuelles Basisrepertoire von Bewegungen erarbeitet mit denen sie  messbare Strecken, Maße, Proportionen oder Rhythmen körperlich aufnehmen sowie wiedergeben können.  Jeder der Tanzenden hat eine Reihe von Modi entwickelt, die es möglich machen, während der Bewegung im Raum mit der Architektur, aber auch mit allen lebenden und unbelebten Körpern unmittelbar zu interagieren. Denn im Moment des Tanzens wählen sie selbstständig erarbeitete und erprobte Bewegungsmodi aus.  Deshalb ist die Aufführung von der selektiven Wahrnehmung der einzelnen Tanzenden abhängig, sowie von ihrem im Probenprozess erarbeiteten Bewegungsvokabular. Jede Tänzerin und jeder Tänzer kann in einem vorgegebenen Rahmen entscheiden, wann und wie sie bzw. er mit welchen Elementen seines Bewegungsmaterials  auf räumliche Situationen reagiert.

Die einzelnen Elemente dieses Repertoires sind jeweils bestimmten Raumteilen und Raumelementen zugeordnet. Wenn sich die Tänzer während der Aufführung im Raum bewegen reagieren sie auf diese wie Lesende eines Textes und montieren ihre Bewegungsmodi entsprechend.  Das Bewegungsmaterial wird in keiner Aufführung vollständig eingesetzt, denn die „record dances“  sind ein System für einen Bewegungskatalog , der in den verschiedensten Räumen abgerufen und neu montiert werden kann.

Zeitlich strukturiert wird die Aufführung vor allem durch einen musikalischen Time-Code, den die beteiligten Musiker – ebenso wie die Tanzenden ihre Bewegungen – aus im Aufführungsraum ermittelten Zahl- und Maßverhältnissen entwickelt haben. Shintaro Imai, Sebastian Flaig und Jacob Thomser haben sich gefragt: „Wie wird Architektur hörbar?“ Um die Struktur und die Beschaffenheit eines Raumes akustisch zu verarbeiten entwickelten sie ein musikalisches Vokabular mit drei  Modi der Improvisation, die den Raum auf unterschiedliche Weise erfahrbar machen.:

„Der erste Modus entspricht einem Punkt auf dem Grundriss der Architektur. Es ist der Klang eines Gegenstands, der an einen bestimmten Ort gebunden ist. Der zweite lässt die einzelnen Linien des Grundriss hörbar werden: Die Wände werden gleichmäßig bespielt, um  ihre Struktur und die Materialien wiederzugeben. Im dritten Modus werden die Proportionen der einzelnen Raumelemente zueinander erschlossen: Das Gestaltungsprinzip einer Wand, die in 4 Einheiten unterteilt ist, wird dem der Decke , welche auf der gleichen Strecke sechs Einheiten aufweist, gegenübergestellt. Es handelt sich um ein Verhältnis von 4:6, welches akustisch umgesetzt wird indem in der gleichen Zeit 4 und 6 gleichmäßige  Signale erklingen. Doch ebenso wie die Tänzer/innen beschränken sich die Musiker nicht auf die Wiedergabe des realen  Raumes, sondern schaffen imaginäre Räume, begleiten die Tänzer –  oder sie suchen ihre eigene Wahrnehmung der  Räume musikalisch umzusetzen.“ (2)

  1. Während der Vorbereitung der „maßnahme 01“ stellte sich heraus, dass im Aufführungsraum des Bauhausgebäudes das Proportionsverhältnis 1: Wurzel 2 , welches der DIN-Norm entspricht , vorherrschend / prägend ist …..

In jeder „maßnahme“ realisiert sich eine neue, in dieser Weise nicht wiederholbare  Choreographie, in der die Tanzenden immer auch ihre eigenen Choreographen sind und damit zu Ko-Autoren des Stückes werden.  die Musiker ihre Keine „maßnahme“ ist ein festes Produkt, sondern unterliegt nach dem Prinzip des „work-in-progress“ einer ständigen Veränderung

 

(1) Oskar Schlemmer: Mensch und Raum 1924, zit. nach: Peter Simhandl: Bildertheater. Bildende Künstler des 20. Jahrhunderts als Theaterreformer, Berlin 1993, S. 79

(2) Sebastian Flaig, 12.10.2008